Pass für Naturwege und „Vías Verdes“ in Spanien

Ehemalige Eisenbahnstrecken etablieren sich als nachhaltige Routen und touristische Ressource im Landesinneren

Die Umwandlung ehemaliger Eisenbahnstrecken in barrierefreie, nicht motorisierte Routen hat die Vías Verdes zu einem der besten Beispiele für die Wiederbelebung des spanischen Eisenbahnkulturerbes gemacht. Zu dieser Entwicklung, die sich über mehr als drei Jahrzehnte auf einem Netz von über 3.500 Kilometern vollzogen hat, gesellt sich nun der Pass für Naturwege und Grüne Wege Spaniens, der dem Angebot einen weiteren Erlebniswert verleiht und neue Möglichkeiten zur Belebung des Tourismus in der jeweiligen Region eröffnet.  Seit im Jahr 1993 mehr als 7.600 Kilometer stillgelegter Eisenbahnstrecken erfasst wurden, hat das Programm „Vías Verdes“ ein Konzept entwickelt, das die Erhaltung des Kulturerbes, nachhaltige Mobilität und aktiver Tourismus miteinander verbindet. Was als Möglichkeit zur Wiederverwendung stillgelegter Infrastruktur begann, hat sich mehr als dreissig Jahre später zu einem Netz von über 3.500 Kilometern und rund 140 Routen entwickelt, das in allen autonomen Regionen ausser den Kanarischen Inseln vertreten ist.  Die Stärke des Modells ergibt sich bereits schon der eigentlichen Konzeption. Die „Vías Verdes“ bieten bequeme, sichere Routen mit sanften Steigungen, die zum Wandern, Radfahren oder zum Geniessen der Umgebung in gemächlichem Tempo konzipiert sind. Diese Gestaltung, verbunden mit ihrer weitgehenden Barrierefreiheit, erweitert das Angebot für ein breiteres Publikum und macht diese Strecken zu einem vielseitigen Erlebnis, das der wachsenden Nachfrage nach Outdoor-Erlebnissen im Zusammenhang mit Wohlbefinden, Natur und der Erkundung der verschiedenen spanischen Regionen gerecht wird.

Zudem kommt ein weiterer Pluspunkt für die Tourismusbranche hinzu: die Wiederbelebung von mehr als 130 ehemaligen Bahnhöfen, die für neue Nutzungszwecke saniert wurden. Unterkünfte, Gastronomie, Fahrradverleih oder kleine Ausstellungsräume haben dazu beigetragen, diese Strecken zu einem rundum gelungenen Erlebnis zu machen, die wirtschaftliche Aktivität generieren und einen längeren Aufenthalt in Spanien begünstigen könnnen.  Die Bedeutung dieses Netzes geht über den Freizeitbereich hinaus. Die „Vías Verdes“ haben Dienstleistungen in ländlichen Gebieten gefördert, die lokalen Arbeitsmarktchancen verbessert und dazu beigetragen, die Tourismusflüsse zu verlagern und saisonunabhängiger zu gestalten. Die Zusammenarbeit zwischen Ministerien, autonomen Regionen, Provinzialräten, Gemeinden und Verwaltungsbehörden war entscheidend für die Etablierung eines Modells, das öffentliche Investitionen, Raumplanung und die Aufwertung des Eisenbahnkulturerbes miteinander verbindet.

Der Grüne Weg des Bidasoa verläuft auf der ehemaligen Trasse des „Tren Txikito“ zwischen Behobia (Irún, Gipuzkoa) und Oieregi (Navarra)
Der Grüne Weg des Bidasoa verläuft auf der ehemaligen Trasse des „Tren Txikito“ zwischen Behobia (Irún, Gipuzkoa) und Oieregi (Navarra) © Turismo de Navarra | Ana Beroiz

In dieser neuen Phase gewinnt der „Pasaporte de Caminos Naturales y Vías Verdes de España“ (Pass für Naturwege und Grüne Wege Spaniens) zusätzlich an Attraktivität. Er ist sowohl in physischer als auch in digitaler Form erhältlich und ermöglicht es, an strategischen Punkten Etappen abzustempeln und jede Route zu einem interaktiven und unvergesslichen Erlebnis zu machen. Die Initiative umfasst derzeit 50 Routen und ein Netz von mehr als 6.100 Kilometern, wobei jeder Stempel ein Bild enthält, das mit dem natürlichen, kulturellen oder historischen Erbe der Route verbunden ist und so die emotionale Bindung an den Ort stärkt. Die digitale Version, die im Rahmen des Projekts „Experimenta Vías Verdes“ entwickelt wurde, erweitert die Möglichkeiten der Interaktion und Nachverfolgung noch weiter, während das bis zum 31. Dezember 2027 geltende Prämienprogramm einen zusätzlichen Anreiz bietet, neue Routen zu entdecken.  Die Preise sind je nach Anzahl der gesammelten Stempel in drei Kategorien unterteilt: Bei 5 bis 8 Stempeln gibt es Kurzurlaube auf dem Land mit verschiedenen Aktivitäten und Werbematerial; bei 9 bis 11 Stempeln gibt es Komplettangebote mit zwei Übernachtungen inklusive Frühstück, Aktivtourismus und Eintrittskarten für kulturelle Veranstaltungen; und bei 12 oder mehr Stempeln Premium-Pakete mit Unterkunft in Paradores, Routen inklusive Transfers, gastronomischen Workshops und persönlicher Betreuung.  So entwickelt sich das Modell der „Vías Verdes“ weiter, ohne dabei seinen Kern zu verlieren. Es bleibt ein Konzept für nachhaltigen und aktiven Tourismus, integriert jedoch neu Elemente, die das Erlebnis bereichern, die Reisenden an das Angebot binden und das spanische Eisenbahnkulturerbe als Wettbewerbsvorteil mit grossem Potenzial für den Inlandstourismus positionieren.    Weitere Informationen: